Lifeline

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Christian Gogolin

kriterien im detail

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Fertiggestellt seit: 
Februar 2011
Betreuung: 
Ralf Bohn, Ute Noll
Exemplar im bl?: 
Ja

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Buchtypen: 
Kunst-/Fotoband
Format (mm):
304 ×
 228 ×
 14 mm
Gewicht: 
722g
Umfang: 
65 Seiten

Konzept

Der Lifeline Express ist der erste mobile Krankenhaus-Zug der Welt. Er wird seit dem 16. Juli 1991 von der non governmental organisation (NGO) Impact India eingesetzt,um der armen ländlichen Bevölkerung in abgelegenen Regionen Indiens Operationen zu ermöglichen. Das gesetzte Ziel von Impact India ist es, vermeidbare Behinderungen wie z.B. einige Formen von Blind- und Taubheit sowie Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates und Entstellungen im Gesicht (hauptsächlich Hasenscharten) zu behandeln. Bis heute wurde in 120 Projekten des Lifeline Express ́ mehr als 600.000 Indern die Möglichkeit einer kostenfreienBehandlung zugesagt. Im Rahmen meiner Diplomproduktion habe ich in und um diesen Zug während eines medizinischen Projektes in Ghazipur, Uttar Pradesh, Indien über einen Zeitraum von vier Wochen fotografiert. Uttar Pradesh liegt im Norden des Landes an der Grenze zu Nepal und ist mit über 197 Millionen Einwohnern Indiens bevölkerungsreichster Bundesstaat, gleichzeitig auch einer der ärmsten und rückständigsten. „Der Essay ist Probe. Der Essay will in der Tat eine Sache nur p robeweise, nur provisorisch und nicht erschöpfend darstellen. Der Essay versagt sich ebenso einer geschlossenen Gedankenführung wie einer erschöpfenden Behandlung der Materie. Er hat seinen Namen zweifellos von Montaignes „Essais“ erhalten, der in immer erneutem Anlauf die großen humanistischen Themen bald skeptisch, bald gläubig, doch immer in subjektiver Brechung umkreiste.“ Mein gestalterischer Ansatz ist kein dokumentar-erzählerischer, sondern der eines Foto-Essays. Es ist eine Arbeit, die zwischen Erzählung und Portrait oszilliert, die Idee einer metaphorisch-lyrischen Beschreibung von Ort, Situation und Mensch. Diese soll, so wie im genannten Zitat erwähnt, keinesfalls den Anspruch haben, die Materie erschöpfend zu behandeln, sondern eine Problemstellung zu erzeugen und diese zu diskutieren. Platz für die Fragen und Imaginationen des Betrachters wird von mir bewusst gelassen. Für diesen Essay habe ich ein Buch gestaltet, das in Kapitel unterteilt ist, die die Situation der Wartenden außen beschreibt, einen Einblick in das Innere des Zuges gewährt, die Situation von Kindern in einem Dorf exemplarisch aufzeigt und wieder zum Zug führt, bevor dem Betrachter das offene Ende präsentiert wird. Die Bilder stehen bewusst ohne Bildunterschrift mit jeweils viel Weißraum auf den Seiten. Neben diesen Weißräumen schaffe ich schon in den Bildern immer wieder Raum, um sowohl den Menschen im Bild als auch dem Betrachter die Möglichkeit zu geben,Atem zu holen, den Blick ruhen zu lassen und Gedanken nachzugehen. Übersichten,die zur Kapitelunterscheidung über die Falz des Buches gehen, leiten den Betrachter und helfen beim Loslassen. Nähe und Weite werden bewusst in Bezug gesetzt. Fast jedes Bild steht einzeln für sich, fügt sich jedoch in die Konzeption der Geschichte ein und ist somit auch ein Teil des Gesamten. Ein Großteil der Bilder beschreibt das Warten, den Stillstand. Stillstand als bildnerisches Mittel bildet gleichwohl eine Metapher für den Zustand des indischen Systems. Ebenso herrscht ein Paradoxon zwischen dem Stillstand des Zuges und seiner eigentlichen Aufgabe vor. Im Allgemeinen ist das die Aufgabe der Bewegung, des Transportes von Menschen oder Gütern, im speziellen Fall des Lifeline Express ́ ist es der Transport einer Idee sowie medizinischer Hilfe. Als gestalterische Mittel habe ich mich einer malerischen Ästhetik bedient, die von offenen Blenden, Unschärfen und Vignettierung unterstützt wird. Die Lichtsymbolik der Außen- aufnahmen verstärkt neben starken Kontrasten in den Farben diese Ästhetik. Der Himmel ist grau, es ist düster, dämmernd, es herrscht eine bedrückte Stimmung, die Ruhe und eine fraghafte Geborgenheit einbringt. Die Bilder sind von leiser, ästhetischer Melancholie. Leise nähere ich mich der Thematik, befördere bewusst keine Entblößung des Leides. Die Menschen in den Portraits gleichen zeitgenössischen Statuen, Monumenten, die der Wirklichkeit entrückt sind. Diese Menschen haben in meinem Essay einen besonderen Stellenwert, insbesondere die Alten, die Frauen und die Kinder, die die Leidtragenden in der Gesellschaft Indiens darstellen und einen Großteil der Bevölkerung ausmachen. Ich zeige sowohl das Innen als auch das Außen des Zuges. Es gibt keinen Hinweis auf eine Kommunikation oder gar Vermischung von Arzt und Patient, die auch in keinster Weise stattgefunden hat. Es gibt keine Sensationen, kein Blut, keine OP- Bilder! Der Arzt ist unnahbar, der Schwerpunkt liegt auf den Patienten.

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Buchkennung: 
2011 - 0030